Gewinnschwelle: Ab wann sind Sie rentabel?

Einleitung
Ab welchem Zeitpunkt wird Ihre Tätigkeit rentabel? Wie viel müssen Sie jeden Monat in Rechnung stellen, um Ihre Kosten zu decken? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Unternehmensführung, egal ob Sie selbständig sind oder ein KMU leiten.
Die Gewinnschwelle, auch Break-even-Point genannt, ist die Kennzahl, die diese Fragen beantwortet. Sie stellt den Mindestumsatz dar, der erreicht werden muss, damit Ihre Einnahmen genau Ihre Kosten decken, ohne Verlust und ohne Gewinn. Unterhalb dieser Schwelle ist Ihre Tätigkeit defizitär. Darüber hinaus erwirtschaftet sie Gewinn.
Die Berechnung Ihrer Gewinnschwelle ist nicht nur eine theoretische Übung. Es ist ein konkretes Steuerungsinstrument, das Ihnen hilft, die finanzielle Gesundheit Ihres Unternehmens zu bewerten, realistische Verkaufsziele festzulegen und die Auswirkungen Ihrer Entscheidungen zu antizipieren: Mieterhöhung, Einstellung, Investition, Änderung Ihrer Tarife.
Dieser Leitfaden erklärt Ihnen, wie Sie Ihre Gewinnschwelle mit einfachen Formeln, praktischen Beispielen und Tipps für den täglichen Einsatz in Ihrer Unternehmensführung berechnen.
📌 Zusammenfassung (TL;DR)
Die Gewinnschwelle entspricht dem Mindestumsatz, der erforderlich ist, um alle Ihre fixen und variablen Kosten zu decken. Sie wird auf Basis der Deckungsbeitragsmarge berechnet und ermöglicht es zu bestimmen, wann Ihre Tätigkeit rentabel wird. Die Kenntnis dieses Break-even-Points hilft Ihnen, Verkaufsziele zu setzen, die Auswirkungen Ihrer Entscheidungen zu bewerten und Ihr Unternehmen mit mehr Gelassenheit zu steuern.
📚 Inhaltsverzeichnis
Was ist die Gewinnschwelle?
Die Gewinnschwelle, auch Break-even-Point genannt, stellt das Umsatzniveau dar, ab dem Ihr Unternehmen weder Verlust noch Gewinn erwirtschaftet. Es ist der Zeitpunkt, an dem Ihre Einnahmen genau alle Ihre Kosten decken.
Konkret: Unterhalb dieser Schwelle verlieren Sie Geld. Darüber hinaus beginnen Sie, Gewinn zu erwirtschaften.
Diese Berechnung basiert auf drei Schlüsselelementen: Ihren Fixkosten (Miete, Löhne, Versicherungen), Ihren variablen Kosten (Rohmaterialien, Provisionen) und Ihrem Umsatz.
Für Selbständige und Schweizer KMU ermöglicht die Kenntnis dieser Schwelle, die Tätigkeit mit Klarheit zu steuern und den Finanzbedarf zu antizipieren.
Warum die Gewinnschwelle berechnen?
Die Berechnung Ihrer Gewinnschwelle ermöglicht es Ihnen, Ihre Tätigkeit mit präzisen, bezifferten Zielen zu steuern. Sie wissen genau, wie viel Sie in Rechnung stellen müssen, um Ihre Kosten zu decken.
Diese Berechnung hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen: einstellen, in ein neues Tool investieren, Ihre Preise erhöhen oder bestimmte Kosten senken. Sie antizipieren auch schwierige Perioden und passen Ihre Verkaufsstrategie entsprechend an.
Für einen Freelancer verhindert dies, mit Verlust zu arbeiten. Für ein KMU ist es ein wesentlicher Indikator für die finanzielle Gesundheit.
Um die Steuerung zu vertiefen, konsultieren Sie unseren Leitfaden über die 5 Finanzkennzahlen zur Beurteilung der Gesundheit Ihres KMU.
Die Komponenten der Berechnung
Die Berechnung der Gewinnschwelle basiert auf drei wesentlichen Komponenten, die Sie in Ihrer Buchhaltung präzise identifizieren müssen.
Zunächst die Fixkosten: Diese Kosten bleiben konstant, unabhängig von Ihrem Aktivitätsniveau. Dann die variablen Kosten: Sie entwickeln sich proportional zu Ihrem Umsatz oder Produktionsvolumen.
Schliesslich die Deckungsbeitragsmarge (oder Beitragsmarge): Sie stellt dar, was nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt und dazu dient, Ihre Fixkosten zu decken und dann Gewinn zu erwirtschaften.
Das Verständnis dieser drei Elemente ist unerlässlich, um Ihren Break-even-Point korrekt zu berechnen.
Die Fixkosten
Die Fixkosten sind die Kosten, die Sie jeden Monat bezahlen müssen, unabhängig von Ihrem Aktivitätsniveau oder Ihren Verkäufen.
In der Schweiz umfassen sie typischerweise:
Miete Ihres Büros oder Lokals
Fixe Löhne (Sie selbst oder Ihre Mitarbeiter)
Berufsversicherungen (Haftpflicht, UVG)
Software-Abonnements (Buchhaltung, Fakturierung wie BePaid, CRM)
Abschreibungen von Material
Wiederkehrende Verwaltungskosten
Die korrekte Identifizierung Ihrer Fixkosten ist entscheidend: Sie bilden die Grundlage Ihrer Berechnung der Gewinnschwelle.
Die variablen Kosten
Die variablen Kosten steigen oder sinken je nach Ihrem Aktivitätsvolumen. Je mehr Sie verkaufen, desto höher sind diese Kosten.
Konkrete Beispiele:
Rohmaterialien und Verbrauchsmaterialien
Verkaufsprovisionen
Liefer- oder Transportkosten
Punktuelle Auftragsvergabe
Produktionsbezogene Verbrauchsmaterialien
Im Gegensatz zu den Fixkosten sind diese Kosten null oder nahezu null, wenn Sie keine Verkäufe tätigen. Diese Unterscheidung ist wesentlich, um Ihren Deckungsbeitrag zu berechnen und Ihren Break-even-Point präzise zu bestimmen.
Die Deckungsbeitragsmarge (oder Beitragsmarge)
Die Deckungsbeitragsmarge, auch Beitragsmarge genannt, stellt dar, was übrig bleibt, nachdem die variablen Kosten vom Verkaufspreis abgezogen wurden.
Einfache Formel:
Deckungsbeitragsmarge = Verkaufspreis – variable Stückkosten
Diese Marge dient dazu, Ihre Fixkosten zu decken. Sobald die Fixkosten gedeckt sind, wird jeder zusätzliche Franken zum Gewinn.
Diese Marge wird oft als Prozentsatz des Verkaufspreises ausgedrückt:
Deckungsbeitragssatz = (Deckungsbeitragsmarge / Verkaufspreis) × 100
Dieser Satz ist das Schlüsselelement zur Berechnung Ihrer Gewinnschwelle im Umsatz.
Wie berechnet man die Gewinnschwelle: die Formeln
Sobald Sie Ihre Fixkosten, variablen Kosten und Beitragsmarge identifiziert haben, können Sie die Formeln zur Berechnung der Gewinnschwelle anwenden.
Es gibt drei komplementäre Ansätze: die Berechnung im Umsatz (in CHF), im Volumen (Anzahl Einheiten oder Leistungen) und in der Anzahl Aktivitätstage.
Jeder bietet eine andere Perspektive und hilft Ihnen, konkrete und messbare Ziele zu setzen, um Ihren Break-even-Point zu erreichen.
Formel im Umsatz
Die Hauptformel zur Berechnung Ihrer Gewinnschwelle in Schweizer Franken:
Gewinnschwelle (CHF) = Fixkosten / Deckungsbeitragssatz
Schritt für Schritt:
Berechnen Sie Ihren Deckungsbeitragssatz in %
Teilen Sie Ihre jährlichen Fixkosten durch diesen Satz (als Dezimalzahl ausgedrückt)
Beispiel:
Jährliche Fixkosten: 60'000 CHF
Deckungsbeitragssatz: 40% (0,40)
Gewinnschwelle = 60'000 / 0,40 = 150'000 CHF
Sie müssen 150'000 CHF Umsatz erzielen, um Ihren Break-even-Point zu erreichen.
Formel im Volumen (Einheiten)
Wenn Sie quantifizierbare Produkte oder Leistungen verkaufen, berechnen Sie die Anzahl der Einheiten, die erforderlich sind, um Ihren Break-even-Point zu erreichen:
Gewinnschwelle (Einheiten) = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Einheit
Beispiel:
Jährliche Fixkosten: 60'000 CHF
Verkaufspreis pro Einheit: 200 CHF
Variable Kosten pro Einheit: 80 CHF
Marge pro Einheit: 120 CHF
Schwelle = 60'000 / 120 = 500 Einheiten
Sie müssen 500 Produkte verkaufen oder 500 Leistungen erbringen, um Ihre Kosten zu decken.
Der Break-even-Point in Tagen
Um Ihren Break-even-Point zeitlich zu visualisieren, wandeln Sie ihn in die Anzahl der Aktivitätstage um:
Break-even-Point (Tage) = (Gewinnschwelle / geplanter Jahresumsatz) × 365
Beispiel:
Gewinnschwelle: 150'000 CHF
Geplanter Umsatz: 200'000 CHF
Break-even-Point = (150'000 / 200'000) × 365 = 274 Tage
Sie erreichen Ihre Schwelle Anfang Oktober. Diese Information erleichtert die Verkaufsplanung und das Liquiditätsmanagement über das Jahr.
Beispiel einer vollständigen Berechnung
Nehmen wir den Fall von Sophie, freiberufliche Grafikerin in der Westschweiz.
Kontext:
Tätigkeit: Grafikdesign und visuelle Identität
Durchschnittlicher Tarif pro Projekt: 2'500 CHF exkl. MwSt.
Variable Kosten pro Projekt: 300 CHF (temporäre Lizenzen, Foto-Auftragsvergabe)
Jährliche Fixkosten:
Coworking-Miete: 6'000 CHF
Berufsversicherungen: 2'400 CHF
Software-Abonnements (Adobe, BePaid, etc.): 1'800 CHF
Gewünschtes Mindestgehalt: 48'000 CHF
Buchhaltung: 1'200 CHF
Total Fixkosten: 59'400 CHF
Berechnung der Beitragsmarge:
Marge pro Einheit = 2'500 – 300 = 2'200 CHF
Margensatz = 2'200 / 2'500 = 88% (0,88)
Gewinnschwelle in CHF:
59'400 / 0,88 = 67'500 CHF
Schwelle in Anzahl Projekte:
59'400 / 2'200 = 27 Projekte
Break-even-Point in Tagen:
Wenn Sophie 80'000 CHF Jahresumsatz anstrebt:
(67'500 / 80'000) × 365 = 309 Tage
Sophie muss 27 Projekte (ca. 2-3 pro Monat) realisieren, um ihre Kosten zu decken. Sie erreicht ihren Break-even-Point Anfang November.
Um Tarife festzulegen, die mit ihren Zielen übereinstimmen, kann Sophie unseren Leitfaden Freelancer: Wie berechnet und setzt man seine Tarife konsultieren.
Ihre Gewinnschwelle interpretieren und nutzen
Ihre Gewinnschwelle zu kennen, reicht nicht aus: Sie müssen sie als tägliches Steuerungsinstrument nutzen.
Diese Zahl ermöglicht es Ihnen, realistische Verkaufsziele zu setzen, die Auswirkungen Ihrer strategischen Entscheidungen zu bewerten und die finanziellen Konsequenzen jeder Änderung in Ihrer Kostenstruktur oder Ihrem Angebot zu antizipieren.
Schauen wir uns an, wie Sie diese Information konkret nutzen können.
Verkaufsziele festlegen
Ihre Gewinnschwelle definiert Ihr Mindestziel: den Umsatz, der erreicht werden muss, um kein Geld zu verlieren.
Nutzen Sie sie als Basis, um Ihre Ziele aufzubauen:
Minimalziel = Gewinnschwelle
Komfortables Ziel = Schwelle + 20-30%
Ehrgeiziges Ziel = Schwelle + 50% oder mehr
Dies hilft Ihnen, Ihre Verkaufsanstrengungen zu dimensionieren: Anzahl der zu kontaktierenden Interessenten, erforderliche Konversionsrate, Anzahl der pro Monat zu erbringenden Leistungen.
Die Auswirkungen Ihrer Entscheidungen bewerten
Simulieren Sie vor jeder wichtigen Entscheidung deren Auswirkungen auf Ihren Break-even-Point.
Beispiele für Szenarien:
Einen Mitarbeiter einstellen: Ihre Fixkosten steigen → Ihre Schwelle steigt
Ihre Preise um 10% erhöhen: Ihre Beitragsmarge verbessert sich → Ihre Schwelle sinkt
Lokal wechseln für eine niedrigere Miete: Fixkosten reduziert → Schwelle zugänglicher
Eine variable Aufgabe auslagern: Variable Kosten steigen, Marge reduziert → Schwelle steigt
Berechnen Sie Ihre Schwelle regelmässig neu (vierteljährlich oder nach jeder signifikanten Änderung), um eine realistische Sicht auf Ihre Ziele zu behalten.
Die Grenzen der Gewinnschwelle
Die Gewinnschwelle ist ein wertvoller Indikator, hat aber ihre Grenzen. Sie berücksichtigt nicht die Saisonalität: Wenn Ihre Tätigkeit je nach Monat stark variiert, kann die jährliche Berechnung Spannungsperioden verdecken.
Sie ignoriert auch die Liquiditätsfragen: Das Erreichen Ihrer Schwelle bedeutet nicht, dass alle Ihre Kunden bezahlt haben. Zahlungsfristen können erhebliche Verzögerungen verursachen.
Die Berechnung setzt auch ein lineares Wachstum voraus, was in der Realität selten der Fall ist. Aussergewöhnliche Investitionen, Preisschwankungen oder Änderungen im Produktmix erschweren die Analyse.
Die Gewinnschwelle ist ein Steuerungsinstrument unter anderen. Ergänzen Sie sie mit einem Liquiditätsmonitoring, aktualisierten Prognosen und anderen Finanzkennzahlen für eine umfassende Sicht auf Ihre finanzielle Gesundheit.
Tools zur Erleichterung des Monitorings
Um Ihre Gewinnschwelle effektiv zu verfolgen, beginnen Sie mit einer Excel- oder Google Sheets-Tabelle. Erstellen Sie ein einfaches Modell mit Ihren Fixkosten, variablen Kosten und Ihren Umsatzprognosen. Sie können verschiedene Szenarien mit wenigen Klicks simulieren.
Die regelmässige Verfolgung Ihrer tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben ist unerlässlich. Hier wird ein Fakturierungstool wie BePaid wertvoll: Sie verfolgen in Echtzeit Ihre ausgestellten Rechnungen, Ihre erhaltenen Zahlungen und Ihren realisierten Umsatz. Die Exporte und der Bankabgleich speisen Ihre Berechnungen direkt.
Erstellen Sie ein monatliches Dashboard, das Ihren tatsächlichen Umsatz mit Ihrer Gewinnschwelle vergleicht. Fügen Sie Warnungen hinzu, wenn Sie bei Ihren Zielen im Rückstand sind.
Um Ihre projektbezogene Steuerung zu verfeinern, konsultieren Sie unseren Leitfaden zur Projektabrechnung, um Ihre Margen Projekt für Projekt zu verfolgen.
Die Gewinnschwelle bleibt ein wesentlicher Indikator für jeden Unternehmer, der seine Tätigkeit mit Klarheit steuern möchte. Indem Sie präzise den Umsatzbetrag identifizieren, der erforderlich ist, um Ihre Kosten zu decken, verfügen Sie über einen konkreten Anhaltspunkt, um Ihre Verkaufsziele zu setzen, die Auswirkungen Ihrer Entscheidungen zu bewerten und Ihren Liquiditätsbedarf zu antizipieren.
Die Formel ist einfach: Teilen Sie Ihre Fixkosten durch Ihren Deckungsbeitragssatz. Aber über die Berechnung hinaus zählt die Interpretation. Vergleichen Sie Ihre Schwelle mit Ihrem aktuellen Umsatz, berechnen Sie Ihren Break-even-Point in Tagen und nutzen Sie diese Daten, um Ihre Preisstrategie anzupassen oder Ihre Kosten zu kontrollieren.
Um Ihre Rentabilität effektiv zu verfolgen, müssen Sie eine klare Sicht auf Ihre Rechnungen und Ihre Zahlungseingänge haben. Erstellen Sie Ihr kostenloses BePaid-Konto und verwalten Sie Ihre Rechnungen, Ihre Zahlungen und Ihre Liquidität mit wenigen Klicks. So behalten Sie die Kontrolle über die Zahlen, die Ihre Rentabilität wirklich bestimmen.


